TIT_Koeln.gif Aus dem KÖLNER STADTANZEIGER vom 8.1.2004:

 

 



Das Geheimnis der steinalten Wildpferde




Architekt Manfred Müller zeigt, wo die zweite Figur verankert war.

Dieser Luchs steht in Hamburg. Die Machart erinnert an die Skulptur vor der Hauptschule.


 



Bis in die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts und bis nach Hamburg reicht die Spur der beiden Kunst werke, die vor der Hauptschule Mommsenstraße stehen. Eines davon ist derzeit beschädigt.

VON MARION EICKLER

Sülz - Früher sind sie zu zweit gewesen, die Wildpferde aus Zement vor der Hauptschule Mommsenstraße. Doch seit geraumer Zeit fehlt eine der Figuren. Sie wurde im vergangenen Herbst von Unbekannten kurz über den Hufen aus der Verankerung gebrochen, lag erst im welken Laub, dann erbarmte sich der Hausmeister. Und jetzt ruht sie in einem stillen Winkel der Schule.

Das verbliebene Pferd sieht traurig aus, als recke es suchend den Kopf. Ebenerdig aufgestellt, fällt die gut 80 Zentimeter hohe Skulptur vielen Erwachsenen im Vorübergehen vielleicht gar nicht auf. Man muss schon mit einem Kleinkind unterwegs sein, wie Manfred Müller, der in der Nachbarschaft wohnt und sich nun für die Instandsetzung der Figurengruppe einsetzt. „Unsere Enkel machten mich auf die Skulptur aufmerksam, die mir gleich bemerkenswert erschien.“

Doch woher kommen die Wildpferde? Wer hat sie geschaffen? Aus welcher Zeit stammen sie, und warum stehen sie vor der Schule? Die Recherchen gestalten sich bisher schwierig. Niemand scheint Genaues über die Figuren vor der Hauptschule zu wissen, zu denen auch noch die Figur eines Vogels gehört, der immer auf dem Schulhof aufgestellt war. Die Chronik der 1962 eröffneten Schule gibt zu dem Thema nicht viel her. „Bis auf ein Klassenfoto, in dessen Hintergrund der Vogel erkennbar ist. Das war 1965. Da tauchen die Figuren also zum ersten Mal auf“, meint Müller. Gerne wüsste er mehr über die Skulptur. Vieles hat er aber auch schon mit Unterstützung verschiedener Fachleute herausgefunden, darunter der Herausgeber des Skulpturenführers Köln, Dr. Helmut Fußbroich. Beispielsweise datiert Müller die Entstehung der Pferde auf die zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts: „Dafür spricht die Materialwahl ebenso wie die Darstellung. Zement war nach dem Ersten Weltkrieg ein bezahlbarer Werkstoff, wie auch viele Arbeiten von Wilhelm Lehmbruck belegen. Die Pferde scheinen der so genannten »gemäßigten Moderne« zuzugehören.“ Charakteristisch sei die Komposition von Abstraktion, expressivem Ausdruck und die Annäherung an die Formgebung des Jugendstils. Ähnliche Arbeiten kennt Müller aus Norddeutschland. Bis zur Rente arbeitete er in Hamburg als Architekt - und lebt nun seit sechs Jahren in Köln. „In der Kellinghusenstraße in Hamburg steht ein Luchs, der in Machart und Gestaltung den Sülzer Wildpferden sehr ähnelt.“

Doch wo wäre die Verbindung zwischen Köln und Hamburg in dieser Zeit zu suchen? In der Person Konrad Adenauers. Der damalige Oberbürgermeister von Köln hatte den 1. Baudirektor Hamburgs, Fritz Schumacher, beauftragt, einen Generalbebauungsplan für Köln zu erstellen. Daraus resultierte eine äußerst fruchtbare Zusammenarbeit, von der noch heute viele Garten- und Parkanlagen im Westen Kölns künden. Für zumindest vorstellbar hält Müller die Möglichkeit, dass für die Gestaltung städtischen Raums auch Adressen von Bildhauerwerkstätten ausgetauscht wurden, was die Verwandtschaft im Ausdruck der Skulpturen in Sülz und Hamburg erklären würde: „Vielleicht stammen sie sogar aus derselben Werkstatt“, meint Müller.

Leichter als die Klärung der Herkunft der Skulptur wird wohl die Instandsetzung der Pferde, für die Müller sich ebenfalls einsetzt. 960 Euro wird die Reparatur der Figurengruppe kosten. Sie soll durch eine soeben angelaufene Spendenaktion finanziert werden. Darüber hinaus ist Müller auf der Suche nach Zeitzeugen, die mehr über die Geschichte der Wildpferde vor der Hauptschule Mommsenstraße wissen. Er freut sich über eine Kontaktaufnahme unter der Rufnummer: 4 20 06 43.


(KStA)