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Das Geheimnis der steinalten
Wildpferde

erstellt 10:03h

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Architekt Manfred Müller zeigt, wo die zweite Figur
verankert war.

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Dieser Luchs steht in Hamburg. Die Machart erinnert
an die Skulptur vor der Hauptschule.
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Bis in die 20er Jahre des vorigen
Jahrhunderts und bis nach Hamburg reicht die Spur der beiden Kunst werke, die vor der Hauptschule Mommsenstraße
stehen. Eines davon ist derzeit beschädigt.
VON MARION EICKLER
Sülz - Früher sind sie zu zweit gewesen, die Wildpferde aus
Zement vor der Hauptschule Mommsenstraße. Doch seit geraumer Zeit fehlt
eine der Figuren. Sie wurde im vergangenen Herbst von Unbekannten kurz über
den Hufen aus der Verankerung gebrochen, lag erst im welken Laub, dann
erbarmte sich der Hausmeister. Und jetzt ruht sie in einem stillen Winkel
der Schule.
Das verbliebene Pferd sieht traurig aus, als recke es suchend den Kopf.
Ebenerdig aufgestellt, fällt die gut 80 Zentimeter hohe Skulptur vielen
Erwachsenen im Vorübergehen vielleicht gar nicht auf. Man muss schon mit
einem Kleinkind unterwegs sein, wie Manfred Müller, der in der
Nachbarschaft wohnt und sich nun für die Instandsetzung der Figurengruppe
einsetzt. „Unsere Enkel machten mich auf die Skulptur aufmerksam, die mir
gleich bemerkenswert erschien.“
Doch woher kommen die Wildpferde? Wer hat sie geschaffen? Aus welcher
Zeit stammen sie, und warum stehen sie vor der Schule? Die Recherchen
gestalten sich bisher schwierig. Niemand scheint Genaues über die Figuren
vor der Hauptschule zu wissen, zu denen auch noch die Figur eines Vogels
gehört, der immer auf dem Schulhof aufgestellt war. Die Chronik der 1962
eröffneten Schule gibt zu dem Thema nicht viel her. „Bis auf ein
Klassenfoto, in dessen Hintergrund der Vogel erkennbar ist. Das war 1965. Da
tauchen die Figuren also zum ersten Mal auf“, meint Müller. Gerne wüsste er
mehr über die Skulptur. Vieles hat er aber auch schon mit Unterstützung
verschiedener Fachleute herausgefunden, darunter der Herausgeber des
Skulpturenführers Köln, Dr. Helmut Fußbroich. Beispielsweise datiert Müller
die Entstehung der Pferde auf die zwanziger Jahre des vergangenen
Jahrhunderts: „Dafür spricht die Materialwahl ebenso wie die Darstellung.
Zement war nach dem Ersten Weltkrieg ein bezahlbarer Werkstoff, wie auch
viele Arbeiten von Wilhelm Lehmbruck belegen. Die Pferde scheinen der so
genannten »gemäßigten Moderne« zuzugehören.“ Charakteristisch sei die Komposition von Abstraktion, expressivem
Ausdruck und die Annäherung an die Formgebung des Jugendstils. Ähnliche
Arbeiten kennt Müller aus Norddeutschland. Bis zur Rente arbeitete er in
Hamburg als Architekt - und lebt nun seit sechs Jahren in Köln. „In der
Kellinghusenstraße in Hamburg steht ein Luchs, der in Machart und
Gestaltung den Sülzer Wildpferden sehr ähnelt.“
Doch wo wäre die Verbindung zwischen Köln und Hamburg in dieser Zeit zu
suchen? In der Person Konrad Adenauers. Der damalige Oberbürgermeister von
Köln hatte den 1. Baudirektor Hamburgs, Fritz Schumacher, beauftragt, einen
Generalbebauungsplan für Köln zu erstellen. Daraus resultierte eine äußerst
fruchtbare Zusammenarbeit, von der noch heute viele Garten- und Parkanlagen
im Westen Kölns künden. Für zumindest vorstellbar hält Müller die
Möglichkeit, dass für die Gestaltung städtischen Raums auch Adressen von Bildhauerwerkstätten
ausgetauscht wurden, was die Verwandtschaft im Ausdruck der Skulpturen in
Sülz und Hamburg erklären würde: „Vielleicht stammen sie sogar aus
derselben Werkstatt“, meint Müller.
Leichter als die Klärung der Herkunft der Skulptur wird wohl die
Instandsetzung der Pferde, für die Müller sich ebenfalls einsetzt. 960 Euro
wird die Reparatur der Figurengruppe kosten. Sie soll durch eine soeben
angelaufene Spendenaktion finanziert werden. Darüber hinaus ist Müller auf
der Suche nach Zeitzeugen, die mehr über die Geschichte der Wildpferde vor
der Hauptschule Mommsenstraße wissen. Er freut sich über eine
Kontaktaufnahme unter der Rufnummer: 4 20 06 43.
(KStA)
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